Text: Dr. Martin Kraft
Foto: Ernesto Oeschger
(”Emotion – Top Ticino” Nr 3 / 2007 **)
Wie begann unsere Kunst? Diese ebenso elementare wie kaum je gestellte Frage hat Ernesto Oeschger schon als Jugendlichen bewegt. Wenn er heute anhand seiner Studienbibliothek wunderbare Beispiele von unerdenklich frühem Schaffen vorführt, die unwillkürlich an Künstler der klassischen Moderne erinnern, zeigt er, dass die Frage, gerade weil sie unbeantwortbar ist um so fruchtbarer bleibt.
Sie führte ihn zu einer Passion, die Kunst und Wissenschaft auf eigene Weise vereint. Vor drei Jahrzehnten begann er, eingeschlagene und eingeritzte Zeichnungen auf Felsen im Freien, die nach den Eiszeiten mit ihren berühmten Höhlenmalereien ab 10′000 vor unserer Zeitrechnung entstanden, als Frottagen auf Papier zu übertragen. Er tat dies in Zusammenarbeit mit Elisabetta Hugentobler zuerst in den Alpen, wo in der Schweiz die wichtigsten, die Felszeichnungen auf Carschenna bei Sils i. D., öffentlich zugänglich sind; im benachbarten Italien ist das Val Camonica besonders reich an Funden.
Aber diese Zeichnungen sind ein weltweites Phänomen, Ähnlichkeiten und Unterschiede galt es in anderen Regionen zu erkunden. Schweden und die Sahara waren, diesmal ohne Elisabetta, die Schwerpunkte von Reisen, die ihn auch in die Bretagne und nach Sardinien führten.
Mit der Schönheit seiner Frottagen, die durchaus als eigenständige Kunstwerke empfunden werden, hat Ernesto Oeschger in vielen Ausstellungen in Schweizer Museen und in sie begleitenden und anderweitigen Vorträgen sein begeisterndes Wissen einem breiten Publikum vermitteln können: Jung und Alt, Wissenschaftern und Kunstfreunden.
Zumindest die zugänglichen Felszeichnungen, die meistens bewacht werden, sind heute durch häufige Begehung und natürlich auch klimatische Veränderungen bedroht und bleiben so durch diese Frottagen dokumentiert. Selbstverständlich braucht es zum Ausführen von Frottagen immer eine Bewilligung. Doch so sehr diese Tätigkeit der archäologischen Forschung entgegenkommt, wurde sie von ihr kaum unterstützt. Ein unlängst gegründeter Förderverein will hier Abhilfe schaffen.
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